Madeira

Entdecken Sie Madeira!

 

In kühnem Linksbogen schwebt das Flugzeug über die tiefblauen Wellen. Dann folgt plötzlich ein Schwenk nach rechts – und schon berühren die Räder die Landebahn. Bem-vindo – willkommen auf Madeira, der grünen Perle im Atlantik! Schon der Anflug auf Madeira ist atemberaubend – und dank der verlängerten und ins Meer hinein verbreiterten Landebahn auch nicht mehr gefährlich. Oft taucht die Ponta de São Lourenço, der karge Ostzipfel der Insel, unvermittelt aus den dicken Wolken auf und verschafft einen eindrucksvollen ersten Eindruck der fast 800 km2 großen, gebirgigen Vulkaninsel.

Der ewige Frühling auf Madeira – nein, er ist keine Legende. Aber mild heißt nicht immer unbedingt sonnig – die saftige Natur kommt nicht von ungefähr. Überdies weist das nur 22 km breite und 57 km lange Eiland, das auf demselben Breitengrad wie Casablanca und gut 900 km vom Mutterland Portugal entfernt liegt, beträchtliche Höhenunterschiede auf. Auf dem Pico Ruivo (1862 m), dem höchsten der verwitterten Lavagipfel, liegen die Temperaturen stets deutlich unter denen am Meeressaum. Oft pfeift auf den Höhen und Landzungen ein kalter Wind – viele Windräder erzeugen dort inzwischen Energie. Die nassen Passatwolken regnen sich gerne an der Nordseite des Inselgebirges ab, gleichzeitig kann es auf der Südseite oder in tieferen Gefilden schönstes Wetter geben.

Diesen Umstand machten sich schon die ersten Siedler im 15. Jh. zunutze, indem sie schmale Wasserkanäle in den Fels schlugen, die das wertvolle Regenwasser aus den feuchten Höhen auf ihre Zuckerrohrfelder leiteten. Noch heute funktioniert dieses System der levadas. Ein Großteil der heutigen Kanäle wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. angelegt, meist in Verbindung mit kleinen Wasserkraftwerken. Die Wartungspfade sind inzwischen sehr beliebt als weit verzweigtes Netz von Wanderwegen. Zusammen mit den veredas, den alten Kopfsteinpflasterwegen, führen sie von den steilen, stellenweise felsig-schroffen Küsten hinein ins grüne Herz der Insel mit seinen wilden Schluchten und Jahrmillionen alten Gesteinsformationen. Nahezu nach jeder Biegung blickt man auf ein neues, atemberaubendes Panorama – vor allem im Nordwesten, wo noch große Teile des ursprünglichen, von der Unesco inzwischen zum Weltnaturerbe erklärten Lorbeerwalds erhalten sind.

Ob Wandern, Golfen oder Drachenfliegen, Surfen oder Tauchen, Klettern, Canyoning oder Mountainbiking – sportlich ist alles möglich auf Madeira. Sogar goldgelbe Sandstrände findet man inzwischen auf der Vulkaninsel – wenn auch aufgeschüttet mit Sand aus Marokko. Bis vor einigen Jahren mussten Insulaner und Badegäste auf die Nachbarinsel Porto Santo übersetzen, um echte Sandburgen zu bauen. Heute können sie sich entscheiden, ob sie lieber in Calheta oder Machico einen Strandtag im gelben Sand erleben, traditionell über Kieselstrände oder schwarzen Sand ins Meer schreiten wie in Funchal oder die vielen Einstiege über Leitern ins Meer bzw. in natürliche Lavapools nutzen möchten, um ein Bad im Atlantik zu nehmen. Wer kilometerlangen Sandstrand sucht, ist nach wie vor am besten auf Porto Santo aufgehoben. Die Schwesterinsel liegt nur eine gut zweistündige Schiffsfahrt oder einen Flugzeughupfer entfernt. Zusammen mit den Ilhas Desertas etwa 30 km südöstlich und den ebenfalls unbewohnten, rund 250 km entfernten Ilhas Selvagens bildet das ungleiche Paar den Archipel Madeira.

Madeiras Naturzauber hat viele Facetten. Fast 800 verschiedene heimische und mehr als 500 eingeführte Pflanzenarten gibt es auf der Insel, die seit den 1980er-Jahren zu zwei Dritteln als Naturpark ausgewiesen ist. Im subtropischen Klima wachsen Wein auf den Terrassenfeldern sowie Bananen und eine Fülle anderer exotischer Früchte sehr gut. In den Bergen duften wilde Kräuter, Blüten in allen Formen und Farben säumen die kurvigen Straßen. Im frühen 19. Jh. wetteiferten vor allem reiche Engländer, die sich auf Madeira niedergelassen hatten, um die schönsten und außergewöhnlichsten jardins. So entstanden um ihre Anwesen die berühmten Gärten und Parks – einige sind heute zu besichtigen.

Britische Bürger prägten bald auch die wirtschaftliche Entwicklung Madeiras. Unter ihnen blühte der Weinhandel ebenso auf wie der Tourismus. Von Letzterem lebt – direkt oder indirekt – inzwischen das Gros der 260 000 Madeirer. Landwirtschaft spielt eine immer geringere Rolle; viele junge Einheimische scheuen die schwere, kaum einträgliche Arbeit auf den terrassierten Feldern und ziehen lieber in die Stadt, um dort im Tourismus oder in anderen Dienstleistungsberufen zu arbeiten. Und auch für die älteren Generationen auf dem Land ist das Leben hart, denn die poios, die schmalen Terrassen, können meist nur mit Hacken und Sicheln bearbeitet werden. Früher brachten die Bauern ihre Ernte persönlich mit dem Esel oder per Boot zum Verkauf in die Hauptstadt. Inzwischen steuern die Aufkäufer der Kooperativen per Lastwagen die Dörfer an. Da es lange Zeit kaum Straßenverbindungen auf der Insel gab, beschränkte sich auch der Fremdenverkehr zunächst auf die Hauptstadt Funchal. Seinen ersten Boom erlebte der Tourismus bereits im späten 19. und frühen 20. Jh. Kaiser, Könige, Künstler – sie alle wollten einen Teil des Jahres auf der „Blumeninsel“ verbringen. Viele folgten dem Ratschlag ihres Arztes. Denn Madeiras konstantes, mildfeuchtes Klima galt als hervorragende Medizin bei Atemwegsbeschwerden, bei schwachem Herzen und „nervösen Störungen“. Elisabeth von Österreich (Sisi) war wohl die berühmteste Person in der Riege der erholungsbedürftigen Inselgäste.

Im 21. Jh. rückt das körperliche Wohlergehen wieder in den Vordergrund bei der Vermarktung der Insel. Wellness heißt das Zauberwort. Neue Hotelanlagen mit Spa-Einrichtungen wachsen seitdem empor – nicht nur in Funchal. Doch bislang blieb die Metropole das touristische Zentrum der Insel. Und so dehnt sich Funchal rund um den charmanten historischen Stadtkern in einem Gürtel moderner Architektur immer weiter aus. Bis hinauf in die Berge kriechen die neuen Siedlungen, denn trotz hoher Mieten drängt die junge Bevölkerung in die Metropole. Zu einem großen Problem wurde die starke Ausdehnung der Ortschaften im Süden Madeiras im Februar 2010, als durch schwere Unwetter die kleinen Bergbäche zu reißenden Strömen anschwollen. Obwohl die Bevölkerung sofort solidarisch anpackte, sind einige Schäden noch Jahre später sichtbar.

Der Inselpräsident Alberto João Jardim, der die Insel seit 1978 als Kopf der konservativen Sozialdemokraten regiert, zeigt sich nicht nur in schwierigen Zeiten als Anpacker. Während er von den einen als korrupter Opportunist kritisiert wird, loben ihn viele andere für das unerschöpfliche Engagement, mit dem er sich der Entwicklung Madeiras widmet. Sowohl Einheimische als auch Besucher profitieren von der größtenteils durch EU-Gelder finanzierten Verbesserung der Infrastruktur, die Jardim unermüdlich beantragte. Dabei müssen wirtschaftliche Entwicklung und Schutz der Natur miteinander vereinbart werden. Madeira ist ein Archipel voller Gegensätze: Ein starker Regenschauer setzt ein – doch kurz danach scheint die Sonne wieder vom wolkenlosen Himmel. Sie sehen saftige Lorbeerwälder, aber auch eine trockene Landzunge, schwarze Lavapools und gelbe Sandstrände wollen entdeckt werden. Erleben Sie diese Gegensätze und kommen Sie nach Madeira. Die Einheimischen erwarten Sie mit einer unvergesslichen Herzlichkeit sowie inseltypischen schmackhaften Köstlichkeiten.